Staycation Reisetagebuch Teil 4: New York

Verreisen wird in diesem Jahr etwas anders sein, als wir es in letzten Jahren gewohnt waren: Destination aussuchen, buchen und tschüss Alltag sagen, so einfach geht es leider nicht mehr. Wir müssen mit Zimmerknappheit und Auflagen in den Feriengebieten rechnen. Wer nicht gerade Dauercamper oder ein Ferienhausbesitzer ist, muss manchmal zu Hause bleiben. Aber, wenn wir nicht in die Welt können, dann entdecken wir die Welt in unserer Stadt. Sue macht eine Staycation-Weltreise durch Hamburg. In ihrem Reisetagebuch schreibt sie darüber. Der vierte Stopp: New York.


Ein paar Blocks von Upper-Eppendorf entfernt liegt der Szenestadtteil Hamburgs: das Schanzenviertel. Berühmt und berüchtigt. Südwestlich vom Hamburger Fernsehturm und in der Nähe des ehemaligen Meetpacking District. Das beliebte Viertel gibt vielen Hipstern, Alt- und Neuautonomen, Werbern, Touristen, Künstlern und vielen Hundebesitzern das Gefühl, dass sie am Hudson leben und nicht an der Elbe. Alle wollen den Street Credit. Knuth anscheinend auch, mit seinem orangen Williamsburg-Schülerlotsen-Hoodie passt er hier gut rein und begrüßt mich auch gleich mit High-Five.

Jetzt machen sich in der Gegend Multibrandläden, Agenturen, Galerien und Fernsehköche breit. Die Mieten explodieren und die eigentliche Bewohner werden langsam verdrängt, auch hier ist Big Apple ein Vorbild. Im Prinzip ist „Mini-Manhatten“ mit seinen vielen Cafés, Kneipen, Boutiquen, und Restaurants Hamburgs ein multikultureller Melting Pot. In jeder Straße höre ich eine andere Sprache. Um acht Uhr morgens herrscht hier schon ein buntes Treiben auf den Straßen. Unser kleines Team wird hier nicht so gern gesehen, weil der Stadtteil schon sehr viele Besucher und Hype ertragen muss und die Menschen einfach mal ihre Hood für sich haben wollen.

Das Schulterblatt galt von 1640-1867 als Grenze zwischen dänischem und hamburgischem Hoheitsgebiet. Jetzt wird sich hier hinter Graffiti und Street Art verschanzt. Überall Plakate, Kunst und Aufkleber, hier eine freie Wand zu finden ist unmöglich. Bei den ersten Sonnenstrahlen verteilen sich alle friedlich um die Cafés und essen beim Portugiesen Vanilletörtchen und trinken Galão. Dann entsteht hier ein echtes Downtown Feeling, weil sich Alternative Szene, Kreative, ein paar verstrahlten Nachteulen, Öko-Übermuttis mit Little Portugal und Little Istanbul vermischen. 

Abends zum Ausgehen ist die Schanze übrigens große Klasse, hier gibt es mehr Bars als Bäume. So ein Angebot verleitet gern mal zum Bar-Hopping und dem Gefühl, ständig was zu verpassen. Die Schanze hat ihren ganz eigenen Kolorit und ich liebe diesen Kiez hier sehr, weil er so ist, wie er eben ist: zerrissen, vielschichtig und mit Ecken und Kanten eben fast wie New York. Kämpfend zwischen Kunst und Kommerz um die eigene Identität. Zum Wohnen mit Kindern wäre es mir wohl zu anstrengend, da wünsche ich mir ein wenig mehr Ruhe, wenn ich auf den Sidewalk trete. Ich möchte nicht gleich an einem „Junggesellenabschied“ oder einen „Spontan-Rave“ teilnehmen. Außerdem sind mir hier zu viele Demos, gefühlt findet hier jede Demo in Hamburg statt.

Aber auch in New York würde ich weder in Soho noch dem East Village leben, sondern wohl auch eher in Brooklyn. Ich bin halt im Herzen ein Bridge &Tunnel-Typ und nippe nur ab und zu mal vorsichtig am „Cosmopolitan“. Ich bin lieber Zaungast als Local. Schön war es wieder mit Mr. Stein und vielen Dank, dass du mein Bodyguard und Chanel-Taschenträger warst.

Das nächste Mal wird es wieder etwas ruhiger zu, dann….ach das verraten wir euch noch nicht.

Stay tuned – Eure SoSUE


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