Ich habe eine Farm in Afrika - Teil 3

Teil 3

Wir nehmen Abschied von Samburu, steigen wieder in ein winziges Flugzeug mit Destination Masai Mara. Schon bei der Landung sehen wir massenhaft Flusspferde, Zebras und Nilpferde – wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Landschaft ist jetzt viel grüner und wie ein Teppich breiten sich Land und Tiere vor uns aus. Es geht in ein Wild-Camp in den Hügeln der Masai Mara. Auch hier wieder eine herzliche Begrüßung und eine warme Mahlzeit, bevor wir schnell noch in den Jeep Richtung Steppe fahren. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Le Meura kilometerweit Tiere erspähen kann, wenn sie gerade jagen oder begatten. Er muss einfach Röntgen- und Fernsicht-Augen haben! Die Kinder sind mittlerweile sehr vertraut mit ihm und fragen Löcher in seinen Bauch: Er hat 8 Kinder – davon 2 Zwillingspaare. Und alle von einer Frau. Drei von ihnen studieren in Nairobi, darauf ist der 52-jährige sehr stolz. Auch, dass er einen zehnminütigen Kampf mit einem Leoparden überlebt hat. Das macht natürlich Eindruck und ich kann es erst glauben, als er uns die großen Narben an Bauch und Kopf zeigt. Einmal mehr begreifen wir, wie schnell das Leben hier den Gesetzen der Natur unterlegen ist. Und vor allem: Wie schnell eine Idylle zum Gegenteil avanciert. Das dürfen wir am nächsten Morgen genießen; LeMeura hat es eilig – er hat zwei Geparden gesehen, die schon länger nichts gefressen haben. Der Wind steht gut und sie haben es auf eine Zebra-Herde abgesehen. Normalerweise erkennen die mitläufigen Gnus die Gefahr, aber wenn der Wind aus der falschen Richtung bläst, sind auch sie im wahrsten Sinne des Wortes blind und stolpern eher ziellos durch die Gegend.

Die Geparden-Brüder nähern sich in einem weiten Umkreis der Herde und ich denke, es könnte noch Stunden dauern – wollte gerade fragen, ob ich mal ins Gebüsch dürfte, da fährt LeMeura plötzlich wie von der Tarantel gestochen los, und aus dem Augenwinkel sehe ich mich auf Kopfhöhe mit dem Geparden. Er rennt und reißt ein junges Zebra – keine 2 Meter von mir entfernt, während der andere Gepard die Mutter verjagt. Dann kommt er zurück und sie töten das Junge sanft und fangen an zu fressen. Das alles geschah in einem Bruchteil von Sekunden. Es ging so schnell, dass es keine Wahl gab, diesem grausamen Szenario beizuwohnen. Wie erstarrt saßen wir da und tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Vor allem: Was denken die Kinder jetzt und wie werden sie es verdauen? Nie werde ich das Weinen der Mutter um ihr getötetes Kind vergessen. Die Kinder sind empört, dass die Herde nur dumm rumsteht und nicht zur Hilfe kommt und zuschaut. LeMeura erklärt, weil sie hoffen, dass das Baby wieder aufspringt und zurückkommt. Schweigen. Es gibt keine andere Erklärung, als den Kreislauf der Natur und es wird akzeptiert. Heute wollen wir keine Pirschfahrt mehr machen, wechseln ins Saruni Wild-Zeltlager einer kleinen Baum-Oase mitten in der Masai Mara und lenken uns ein wenig mit Kartenspiel ab.

Kennedy – ein Masai, der uns im Saruni betreut, hat eine besondere Freundschaft zu Rufy, nennt ihn „young warroir“. Rufy will wissen, wann man ein Krieger wird. Kennedy erklärt ihm: „Durch ein Ritual, wenn wir 15/16 Jahre alt sind. Wir dürfen uns in der Vorbereitung auf die Beschneidung eine ‚Mutprobe’ aussuchen. Das könnte eine Brandmalung sein, oder die Ziehung eines Zahnes oder das Durchstechen eines Ohrloches. Hauptsache ohne Narkose und ohne Weinen oder Schreien. Wenn wir das geschafft haben kommt die Beschneidung und danach sind wir vollwertige Krieger, die ihre Familien angstfrei beschützen können, dürfen heiraten und Kinder zeugen.“ Rufy ist schwer beeindruckt und ich sehe, wie es in seinem Kopf rattert und er sich vorstellt ein kleiner Krieger zu sein. Immerhin hat er von den Masai bereits gelernt, Feuer zu machen  und den Speer zu werfen und Josi könnte sicherlich prima Perlenketten machen, wenn sie wollte! Das machen nämlich die Frauen für ihre Männer und auch zum Verkauf für Touristen. Ich habe auch ein paar Exemplare gekauft für meine Reise-Poesiealbum und weil ich sie wunderschön finde, so bunt und fröhlich.

So verbringen wir die letzten Tage in der Masai Mara mit Pirschfahrten und Geschichten und Sundowner am Lagerfeuer. Wir beobachten die Hyänen in der Ferne und lauschen nachts im Zelt den Tiergeräuschen. Für mich ist unsere letzte Station schon jetzt der schönste Stopp. Dieses Nomadenleben im Zelt, so simpel, mitten in der Natur hat es mir angetan. Es erinnert mich an meine Kindheit mit Bulli-Fahrten nach Dänemark, Angeln am See und mit klammen Klamotten ins Zelt. Männer mit Bärten um mich herum und Cat Stevens aus dem Bulli-Radio. Irgendwo roch es nach Hanf, aber das konnte ich noch nicht einordnen. Hier raucht niemand – noch nicht einmal eine Friedenspfeife. Auch Alkohol trinken die Masai nicht – höchstens frisches Ochsenblut (aber das auch nur im Ritual). Die Kinder träumen immer noch von einem Leoparden und werden nicht müde zu spähen und täglich wieder in den Jeep zu steigen. Ich hätte gern wieder mal einen Tag Pause, es ist mühsam durch Schlaglöcher und über Stein und Geäst stetig durchgeschüttelt zu werden. Aber die Belohnung, wenn wir lustige Wartocks/Prärieschweine, schöne Giraffen und elegante Antilopen sehen ist jedes Ruckeln und Schuckeln wert.

Heute zeigt uns LeMeura eine Gepardin mit 6! Babys. Das ist selbst für die Masai eine Seltenheit und Rangers aus dem Conservatory bewachen die kleinen Katzen, wenn die Mutter jagen muss vor den Geiern und Hyänen. Der Vater hat sich gleich nach der Geburt davongemacht – Lauf der Dinge. As simple as that. Stundenlang können wir den Katzenkindern zuschauen und der Kreis zum Erlebten mit dem Zebra-Baby erschließt sich uns. Fressen und gefressen werden zum Überleben. Nur die Hyänen finden wir weiterhin hässlich und grausam (sie fressen ihre Opfer bei lebendigem Leib). LeMeura erklärt uns, dass sie eine wichtige Funktion haben und die Masai Mara sauber halten, weil sie auch die Knochen der Tiere fressen. Alles wird wiederverwertet und die Steppe, obwohl ein Massengrab, ist blitzeblank. Selbst der Kot der Hyänen kann als Kreide genutzt werden. Wir werden um 3:30 Uhr von einem Zebra geweckt, das sich den Rücken an der Fliegengittertür unseres Zeltes reibt. Was für ein schöner Weck-Laut, denn wir müssen ohnehin aufstehen – wir haben eine Ballonfahrt gebucht und müssen früh raus. Es ist für uns alle das erste Mal – und wir sind so aufgeregt wie Schulkinder bei der Einschulung, als wir in den Korb des Heißluftballons einsteigen, halten uns an den Händen und das Herz hüpft in die Hose als wir sanft in den Himmel schweben Richtung Sonnenaufgang. Dann schlägt mein Herz Richtung Hals und ich möchte Weinen vor Glück und diesem schönen Gefühl. Der Stille über der Steppe. Tierherden von Zebras laufen Richtung Serengeti und kehren erst im nächsten Jahr wieder zurück. Es ist bald Paarungszeit und es liegt eine Menge Hormon in der Luft. Wir fliegen recht tief und in einer Baum-Oase spotte ich einen Leoparden,  der von einem Baum springt. Die Kinder sind begeistert und kreischen vor Vergnügen. Wir schweben dahin und schon wieder habe ich eine Kindheitserinnerung an mein Lieblingsbuch von Jules Verne „In 80 Tagen um die Welt“. Ich fühle mich wie Passepartout, dem treuen und erfindungsreichen Diener von Phileas Fogg, dem ein wenig mulmig wird als der Ballon zur Landung ansetzt. Es ist ziemlich ruckelig, vor allem, wenn ein paar Steine den Lande-Weg verstellen. Aber der Pilot weiß was er tut und in Sicherheit riechen wir wieder Gras und Erde der Steppe. 

Der letzte Tag in der Masai Mara nähert sich dem Ende und werde melancholisch – zu gerne würde ich noch bleiben und mehr über das Leben hier erfahren, aber wir haben noch ein paar Tage am Meer gebucht. Die Taschen sind wie immer schnell gepackt und jetzt heißt es Abschied nehmen von Kennedy, Dixon und dem ganzen Team der Saruni. Wir versprechen wieder zu kommen und Freunden von dem Erlebten hier zu erzählen. Kenia braucht die zahlenden Touristen, um die National-Parks und ungestörte Tierwelt zu erhalten. Noch eine letzte Pirschfahrt mit Le Meura auf dem Weg zum Flughafen und dann,  an der Biegung des Flusses, als wir gerade durch ein Schlammloch fahren, passiert es doch noch: LeMeura bleibt stehen und schaut Richtung Hyäne, die auf einen Baum schaut. LeMeura zeigt nach oben und flüstert: „Lepards“. Uns bleibt das Herz stehen, die Kinder rufen aufgeregt: “Wo, wo?“. „Schsch...mahnen wir“, und dann sehen wir zu wie ein Leoparden Paar elegant den Baum vor uns hinuntergleitet, ziemlich arrogant an uns vorbeistolziert und dem Fluss entlang seinen Weg sucht. Unsere Abenteuerlust ist geweckt und wir verfolgen das junge Paar auf der Balz und hängen wie die Hyäne an ihren schönen Schwänzen dran. Wir können uns nicht satt sehen an dem schönen gefleckten Fell und den großen Tatzen, dem geschmeidigen Gang und ruhigem Schnurren. Mir kommen wiede rmal die Tränen vor Freude, dass wir das auf die letzten Meter noch erleben durften und die Kinder nennen mich „Heul-Suse“ – damit kann ich leben. Es ist nichts Schlimmes, seine Gefühle zu zeigen. Und dieses Erlebnis ist einzigartig für mich. Ein Leoparden-Paar in freier Wildbahn zu sehen ist nicht alltäglich- Auch nicht für unseren Guide. Berauscht und voller Liebe nehmen wir Abschied von den Katzen, der Masai Mara und unserem LeMeura. Steigen wieder in das fliegende Propeller-Taxi ein und blubbern dicht am Kilimandscharo vorbei. Die letzten vier Tage verbringen wir am Meer. Ein perfekter letzter Stopp um das Erlebte Revue passieren zu lassen und sich langsam wieder auf zu Hause vorzubereiten. Es gibt W-Lan und so zieht die Zivilisation nur allzu schnell wieder ein. Ich fange an, schon diesen Text zu schreiben und träume...“von einer Farm in Afrika“.

Ein GROSSES Dankeschön geht an dieser Stelle an Berner Travel, die für uns, mit viel Liebe zum Detail, diese Reise organisiert haben (Werbung von Herzen/Alles selbstbezahlt). Und weil wir so begeistert waren und diese Begeisterung mit euch teilen wollen, gibt es noch ein Goodie für euch:

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