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Wünsche 2021: Teil 13 - Stefanie Wilke

2021 steht vor der Tür. Wir haben ein paar Freunde und das SoSUE Team gefragt, was sie sich im neuen Jahr wünschen. Heute erzählt Stefanie Wilke worüber sie sich freuen würde.

Bis zum 6. Januar dauert noch das alte Brauchtum der Rauhnächte an. Um die Rauhnächte habe ich mich bisher nie gekümmert, aber sie sich vermutlich um mich. Jedenfalls schloss ich mich einer Gruppe an, um digital die 12 Nächte mit Meditation und 12 Wünschen zu zelebrieren. Kann nicht schaden, dachte ich. Das gemeinsame Feiern in großen Runden fällt ja derzeit leider unter den Tisch, also ergriff ich die Gelegenheit für Zugehörigkeit und Inspiration. Wir durften zwölf Wünsche auf gleichgroße Zettel notieren. Ich hatte mir mal gemerkt, dass man präzise wünschen soll, damit das Universum die Wünsche ebenso präzise umsetzen kann. Gemerkt hatte ich mir auch, dass das Universum Deutungsschwierigkeiten mit Negation hat. Also: „Ich möchte kein Corona“, würde es nicht verstehen. Wohl aber: „Ich möchte von Corona verschont bleiben.“

Also überlegte ich Wünsche. Mir fielen nur wenige ein. Zwölf fand ich ganz schön viele. Also schrieb ich zwei, sehr präzise, auf je einen Zettel. 1. 100.000 € steuerfrei für mich. 2. Einen Buchvertrag  bei Kiepenheuer & Witsch. Zwei Rauhnächte waren ausreichend für mich.

Dann fragte mich Sue, was ich mir fürs nächste Jahr wünschen würde und ob ich das aufschreiben würde. Klar, sagte ich. Selbstverständlich wünsche ich mir, was sich fast alle wünschen: Schluss mit „Scheiß Covid-19!“. Her mit der Impfung! 

Die Wünscherei begann mich zu irritieren.

Im Ressort Wissen meiner Lieblingszeitung SZ las ich drei Tage vor Weihnachten von einer Studie dessen Ergebnis ich schon lange vermutete:„Der Studie zufolge sind freilebende Vögel in der Umgebung für das Wohlbefinden der Europäer etwa so wichtig wie eine Gehaltserhöhung. Zehn Prozent mehr Vogelarten steigerten die Lebenszufriedenheit der Menschen europaweit mindestens genauso stark wie eine Erhöhung des Einkommens in gleicher Größe, schreibt das Team um den Doktoranden Joel Methorst vom Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klima im Fachjournal Ecological Economics.“

Ich kann das, wie gesagt, bestätigen: Blaumeise, Gimpel, Grünfink, Buchfink, Amsel, Rotkehlchen stimmen mich froh, wenn ich sie in dem Ahornbaum vor meinem Balkon beobachte. Auf dem Kapitänsweg der Övelgönne – dort gehe ich täglich frühmorgens spazieren – genieße ich den vielstimmigen Vogelgesang und das fröhliche Gezeter der Haussperlinge, das ich kurz nach dem Einbiegen auf dem Weg in einer mannshohen Hecke erwarte. Mein ganzes Leben bin ich schon eine Vogelfreundin, obwohl ich anfangs nur mit einem Wellensittich namens Budschi (er flog bei geöffneter Balkontür weg und ich heulte tagelang) und fressgierigen Möwen sozialisiert wurde. Die Viecher raubten uns Kindern regelmäßig Essbares aus der Hand. Ich höre noch jetzt ihr Flügelschlagen an meinem Ohr und schnapp! - schon war es zu spät.

Vergangenes Jahr sammelte ich im Park einige verstorbene Amseln ein und brachte sie ins Labor des Bernhard-Nocht-Instituts. Die Vögel waren am „Usutu“-Virus gestorben - eine Influenza der Amseln. Ich fand das traurig und beunruhigend. Tatsächlich hat mich dann der Ausbruch der Pandemie vor knapp einem Jahr nicht überrascht. Schließlich waren mir sterbende, schwarze Singvögel entgegen gefallen, für eine Berufsneurotikerin wie mich Vorboten einer sich verändernden Welt. Massentierhaltung ist seit Jahrzehnten keine gute Idee, vor dem Ausbruch daraus resultierender Virenmutationen und das Überspringen auf den Mensch warnen Wissenschaftler seit Jahren

In diesem Winter befasst sich die Menschheit verständlicherweise zu neunzig Prozent mit der Bewältigung der Corvid-19-Pandemie. Aber das Sterben der Wildvögel, es grassiert parallel zu Corona ein tödliches Virus, findet kaum Beachtung. Aktuell verenden hunderte Wildgänse sowie seltene Wildvögel während ihrer Rast Richtung Süden oder in den Naturschutzgebieten. Das Virus stammt nachweislich aus der Massentierhaltung. 

Was hat das mit dem Wünschen zu tun?

Ganz simpel: Ich wünsche mir viele neue Mitglieder beim NABU (Naturschutzbund). Die aktiven Mitglieder des Nabu kümmern sich u.a. um den Erhalt von Brutflächen für Wildvögel. Sie dokumentieren jedes Jahr die Population von Vögeln sowie den Vogeldurchzug von beispielsweise Trauerenten, nächtlich durchziehenden Schellenten, Rohrdommeln und seltener Ortolane, die mit ihrem grünen Federkleid wie Tropenvögel aussehen. 

Ich nehme das Risiko in Kauf für eine schrullige Hobby-Vogelkundlerin gehalten zu werden. Als langjähriges Nabu-Mitglied bekomme ich regelmäßig per Post das Magazin „Naturschutz in Hamburg“. Beim Lesen bin ich jedes Mal fasziniert was in Hamburg alles auf die Beine gestellt wird. Das Engagement für eine grünere Stadt ist sehr pragmatisch und zielführend und hat mir bei der Einsicht geholfen, dass wir eben nicht machtlos vor den Folgen der Klimakrise stehen. Naturschutz geschieht vor der eigenen Haustür und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten. Die Arbeit des Nabu mit Kindern und Jugendlichen ist ebenso bemerkenswert, es gibt tolle Programme und feste Gruppen.

 

Bundesweit bewegt der Nabu viel zum Erhalt der Biodiversität. Das mag manche Unternehmer aufscheuchen. So hat Anfang Dezember in Grünheide bei Berlin der Schutz der seltenen Schlingnatter und der Zauneidechse zu einem Rodungsstopp auf dem geplanten Baugelände des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla geführt. Die Nabu-Geschäftsführerin von Brandenburg, Christiane Schröder, ließ sich von Goliath nicht aus der Ruhe bringen, Schlingnatter und Zauneidechse befänden sich bereits in ihren Winterquartieren, gab sie ungerührt der Presse zu Protokoll.

Ich wünsche allen Menschen, die sich für den Naturschutz und das Wohl von Tieren einsetzen ein erfolgreiches Jahr 2021. Dazu brauchen sie Unterstützer. Damit wir weiterhin den gesundheitsfördernden Gesang der Vögel genießen können.  


Die Autorin Stefanie Wilke ist 1964 auf Sylt geboren, dort war es damals ganz schön wild. Sie ist am Strand unter Piraten aufgewachsen. Heute lebt sie in Hamburg und hat Magazine wie AMICA, Allegra, Emotion und enorm mit Ideen und Texten begleitet. Aktuell arbeitet sie als Texterin in einer Agentur. Das Schreiben über Psychologie und die Liebe zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.  


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