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Lesetipps für den Urlaub

 

Ferien! Endlich mal wieder Zeit zu lesen. Knuth hat seine Lost & Founds Tipps aus den letzten Monaten noch einmal nach Büchern durchwühlt, die er regelmäßig in seinem Monatsrückblick vorgestellt hat. Hier sind noch einmal seine Empfehlungen.

 


 

 Der Mann im roten Rock

 

Eine Reise durch Salons und Zirkel der Belle Epoche. Wir treffen Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler, Adelige, Industrielle und Maler. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war eine Periode voller Optimismus, Kreativität und Innovationen in Frankreich. Und mitten im Geschehen der Arzt Dr. Samuel Pozzi. Ein Freigeist, der mit fast allen wichtigen Menschen dieser Zeit verkehrte. Ein Buch, dass einem hilft, die Gegenwart zu verstehen. Ein Pageturner.

Der Mann im roten Rock – Julian Barnes, 304 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

 


 

Grenzenlos

 

In meiner Geschichte „Sommer ohne Frau“ schrieb ich mal, dass ich gerne eine Schwalbe wäre, weil diese kleinen Vögel sehr mutig sind. Sie überqueren Wüsten, Meere und Berge. Sie nehmen diese Strapazen und Gefahren auf sich, nur um bei uns zu brüten. Es muss ein sehr großes Abenteuer sein. Sicherlich könnte eine Schwalbe viel erzählen. Jedes Jahr wandern Tiere auf dem Land zu Wasser und in der Luft, um sich zu paaren oder um satt zu werden. In „Grenzenlos“ beschreibt die Wissenschaftsjournalistin Fancesca Buoninconti die Reisen der Tiere. Wie sie sich orientieren und warum sie sich die viele Mühe machen. Leicht, verständlich und fesselnd geschrieben. Nach dem Lesen sehe ich eine Sardine mit ganz anderen Augen an und mache mich auch nicht mehr über Pinguine lustig.

Grenzenlos – Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere, Francesca Buoninconti, Folio Verlag, 206 Seiten

 


 

 Giovannis Zimmer

 

„...Doch leider können Menschen sich die Menschen ihren Ankerplatz, ihre Liebhaber und ihre Freunde ebenso wenig aussuchen wie ihre Eltern. Das Leben gibt sie und nimmt sie und die Schwierigkeit liegt darin, zum Leben ja zu sagen...“ Als ich diesen Satz las, wusste ich sofort, dass es mein Buch ist. James Baldwins Roman über die Affäre zwischen zwei Männern, darf in keinem Bücherregal fehlen.

Giovannis Zimmer – James Baldwin, dtv, 207 Seiten

 


 

Wie wir jetzt leben - Susan Sontag

 

Das Liebste an Unterhaltungen ist mir, wenn alle ein großes Vergnügen dabei haben, dass sie vom Hundertsten ins Tausende kommen. Erst reden alle über Corona, dann über die neusten Moden, einen aufregenden Film, über den Urlaub, das persönliche Wohlsein und natürlich über die Menschen, die nicht anwesend sind. Ein wunderbares sprunghaftes Durcheinander an Gedanken und Meinungen, das manchmal erst endet, wenn die Morgensonne aufgeht. Als ich die Erzählungen von Susan Sontag las, musste ich immer daran denken. Besonderen Spaß hatte ich, dass sie hier viel ausprobiert, denn die wichtigste Regel beim Schreiben ist, dass es keine gibt, es ist gut, dass sie sich daran gehalten hat.

Wie wir jetzt leben  - Susan Sontag, Hanser Literatur Verlage, 124 Seiten

 


 

Die große Wörterfabrik

 

Warum gab es das Internet nicht schon in meiner Kindheit? Vielleicht wäre ich dann früher zu einem Leser geworden. Meine neue Lieblings-App ist eigentlich für Kinder ab drei Jahren gedacht, aber ich habe mich auch amüsiert. Im Land der großen Wörterfabrik kosten Wörter Geld. Wer arm ist, kann sich keine leisten und bleibt fast sprachlos. Jedes Wort kostet etwas. Und die Reichen können sich sogar Luxuswörter leisten, wie „Rollschuh“ oder „Augenblick“. Mega Nice.

Die große Wörterfabrik, App gibt es bei Google Play oder im App-Store

 


 

Das große Buch vom Wandern

 

Egal, ob man passionierter Wanderer ist oder gerade mit dem langen Gehen angefangen hat, dieses Buch sollte jeder mal lesen, bevor der Berg oder die Heide ruft. Hier steht alles drin, was eine Wanderung erleichtert: Was in einen Rucksack gehört, wie Wanderkarten richtig gelesen werden, Verhalten im Notfall, Reiseversicherungen, Benimmregeln auf der Hütte, Wolkenkunde oder was zu machen ist, wenn eine Kuh den Weg versperrt. Sehr umfassend, selbst ich habe noch etwas gelernt. Ich werde nachts niemals Barfuß das Zelt verlassen, denn viele Fußverletzungen holen sich Wanderer in der Dunkelheit wenn sie mal austreten müssen.

Christian Hlade, Das große Buch vom Wandern – Braumüller Verlag

 


 

Karl Lagerfeld -  Ein Deutscher in Paris

 

 

Karl Lagerfeld war ein Genie und wunderbar bekloppt. Wir Sterblichen können da nur staunen. Menschen wie er sind das Salz der Erde. Selbst ich habe mal seine Energie zu spüren bekommen. Es waren mit die witzigsten Momente in meinem Berufsleben. Das Buch hat mich wieder daran erinnert. Es ist gut recherchiert, voller Anekdoten und Zitaten. Ich habe viel Neues erfahren. Für alle, die wissen wollen, wie Mode-Marketing funktioniert. Für alle, die Kaiser Karl vermissen. Nur der Titel stört mich, es müsste heißen: Karl Lagerfeld – Ein Hamburger in Paris.

Karl Lagerfeld – Ein Deutscher in Paris, Alfons Kaiser, C.H.Beck 383 Seiten

 


 

Sei kein Mann – Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist

 

Als Mann fand ich Männer schon immer seltsam. Zum Beispiel diese merkwürdigen „Schwanzvergleichsrituale“ unter Jungs: Mein Auto. Mein Haus. Meine Jacht. Meine Frau. Egal, aus welcher Schicht Männer stammen,  es geht ihnen um Macht, sie wollen Frauen beherrschen. Das musste kürzlich auch Linda Teuteberg von der FDP bitter erfahren als der Wachstums-Macker Christian Lindner die Generalsekretärin fallen ließ und zum Dank auch noch dumme Witze über sie machte. JJ  Bola beschreibt in seinem Buch, wie vielfältig Männlichkeit sein kann und warum sie für Männer eine Last ist. Interessant fand ich, dass in vielen vorkolonialen Gesellschaften Sexualität und Geschlecht fluid und frei waren. Und dann kam der weiße Mann. Ein Buch für Väter, Mütter, Töchter und Söhne.

 Sei kein Mann – Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist, JJ Bola, 157 Seiten, hanserblau

 


 

Little People, Big Dreams

 

An Kinderbüchern schätze ich, dass sie komplexe Dinge einfach erzählen können. Sie bringen Dinge einfach auf den Punkt. Besonders gut gelungen ist das der Kinderbuchreihe „Little People, Big Dreams“. Hier werden Persönlichkeiten vorgestellt, die schon als Kinder wussten, was sie wollten. Für meine kleine Nichte habe ich die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, weil Nein-Sagen zum Leben dazugehört und den Boxer Muhammad Ali ausgewählt, weil er einfach der Größte ist.

 Little People, Big Dreams – Kinderbuchreihe mit diversen Persönlichkeiten u.a. David Bowie, Coco Chanel, Jane Austen, Insel Verlag

 


 

Eine Frau

 

 

Nach dem Tod ihrer Mutter schreibt Annie Ernaux das Leben ihrer Mutter auf. Eine Frau, die schwer schuftete, damit sie ihrer Familie ein Auskommen sichern konnte. Keine gewöhnlich Tochter-Mutter-Geschichte, eher eine Studie über die eigene proletarische Herkunft und den sozialen Aufstieg. Kurz und einfach geschrieben, mit sehr intimen Momenten. In Zukunft werde ich mehr von Annie Ernaux lesen.

Eine Frau - Annie Ernaux, Suhrkamp, 88 Seiten

 


 

Erste Person Singular

 

“Nichts, was leicht zu haben ist, besitzt einen Wert“, sagt ein alter Mann in Haruki Murakamis Kurzgeschichte „Creme de La Creme“. Da ist was dran, denke ich mir. Geschichten von Murakami bringen mich immer zum Grübeln. Gedanken, die ich noch nachts ins Kissen drücke und die dann wieder in meinen Träumen auftauchen. Seit ich seine ersten Erzählungen gelesen habe, bin ich ein Fan des japanischen Schriftstellers. Er ist ein Meister des Moments. Sein neues Buch ist verwirrend schön. Ich möchte mich auch mal mit einem Affen unterhalten, der Frauen ihre Namen stiehlt.

Erste Person Singular – Haruki Murakami, Erzählungen, 224 Seiten, Dumont

 


 

Wie man sich die Welt erlebt

 

Keri Smiths Buch ist eine Anleitung für das tägliche Abenteuer vor der Haustür: „ Zu jeder Zeit und ganz egal wo du bist, bist du umgeben von Hunderten von Sachen, die aufregend sind und erkundet werden wollen.“, schreibt sie. Es ist wie in den Kindertagen als wir rausgegangen sind, um Dinge zu finden, oder auf Baustellen Pfandflaschen gesammelt haben.

Keri Smith, Wie man sich die Welt erlebt. Das Alltagsmuseum zum Mitnehmen, Verlag Antje Kunstmann

 


 

Die Natur lebt - Die verlorenen Wörter

 

Wer die Natur und schöne Bücher mag, sollte nicht zögern. Wer einen Freund hat, der einem Bücher schenkt, der kann sich glücklich schätzen. Ich habe so einen Freund, der mir immer ganz wunderbare Bücher schenkt. „Die verlorenen Wörter“ ist so ein Geschenk. Es handelt davon, dass sich Wörter aus der Sprache der Kinder herausgeschlichen haben und der Leser sich jetzt auf die Suche machen muss. Ein Wimmelbuch für Worte in der Natur, das den Leser in die Wälder und Flüsse lockt, um Namen wie Eisvogel oder Blauglöckchen zu suchen. Namen von Tieren und Pflanzen, die wir angefangen haben zu vergessen. Wer sie findet, wird mit schönen Versen und Aquarellen belohnt.  

Die Verlorenen Worte - Robert Macfarlane, Judith Schalansky (Hg.),Matthes & Seitz Berlin, 134 Seiten.

 


 

Kim Jiyoung geboren 1982

 

Kim Jiyoung ist eine kluge und einfache koreanische junge Frau, die gerne ihr Glück in der Welt versuchen möchte. Statt Anerkennung und Respekt erntet sie Demütigung. Warum? Weil sie eine Frau ist. Der Bruder muss nie aufräumen, bekommt das bessere Essen und Kim muss für ihn zurückstecken. Die Familie ist auch keine Hilfe. Sie erwarten von einer Frau nur, dass sie Mutter wird und einen Sohn zur Welt bringt. Eine Geschichte aus dem modernen Korea. Viel Realität, wenig K-Pop und Samsung. Auf dem Klappentext steht: Kim Jiyoung ist wie jede Frau. Dem würde ich zustimmen.

Kim Jiyoung Geboren 1982 – Cho Nam-Joo, Roman, 208 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

 


 

Die Stille

 

„Das Leben kann so interessant werden, dass wir ganz vergessen, Angst zu kriegen.“ Dieser Satz aus dem neuen Roman von Don DeLillo beschreibt am besten seinen Inhalt. Fünf Menschen sitzen 2022 in Manhattan in einer Wohnung und wollen gemeinsam das Finale der American Football-League im Fernsehen anschauen. Aber nichts funktioniert mehr: Das TV ist schwarz, die Telefone sind still und das Web ist weg. Irgendwas ist passiert. Die Angst kriecht langsam in die Wohnung und in die Seele. Es geht um die Existenz. Intensiv, wie ein Kammerspiel.

Die Stille – Don DeLillo, Kiepenheuer & Witsch, 112 Seiten

 


 

Knuth ist Gründungsmitglied von SoSUE und unterstützt noch weitere Marken. Knuth selbst beschreibt seine Arbeit als „irgendwas mit Medien“. In seinem monatlichen Rückblick "Lost and Found"  schreibt er über sein Lebensgefühl und erzählt, was er alles gelesen, gesehen oder gehört hat. Der Hamburger würde am liebsten auf einen Berg mit Strand ziehen. Mehr über Knuth erfahrt ihr auf seiner Website Collideor and Scope.

 


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