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Eine Geschichte von was auch immer

 

Eine Geschichte von was auch immer

 

Es hat seit Tagen geregnet, gefühlt tut es das schon den ganzen Monat.

Exakt um zehn Uhr, also gerade eben, hat es aufgehört.

So, als ob der Himmel wüsste, dass er einfach genau jetzt endlich mal die Pausentaste drücken muss.

Es riecht nach Kaffee und nach Stadtregen und Sehnsucht.

Mit einer noch warmen Zimtschnecke in der Hand und einem fast wahnwitzigen Glücksgefühl blicke ich auf die Szenerie vor mir.

Flohmarkt.

Endlich, nach über einem Jahr.

Ich atme einmal tief ein weil ich weiß, dass hier etwas auf mich wartet.

Denn so ist es immer.

Ich sehe in lächelnde Gesichter zwischen Stapeln von alten Koffern, weißen Geschirrbergen, Tassen mit goldenen Rändern und Kleiderständern, die zum Bersten vollgehängt sind.

Ich bleibe stehen und atme den Augenblick ein, kann mich nicht sattsehen.

Sauge das Leben in mich auf.

Und dann sehe ich ihn.

Ein kleiner Hocker, zugestellt mit Kinderspielzeug. Fast hätte ich ihn übersehen.

Das dunkle Holz ist gezeichnet von was auch immer. Vom Leben und seinen Augenblicken vielleicht.

Ich sehe sofort die Schönheit in ihm.

Ich liebe Gegenstände, die Geschichten erzählen.

Ich höre sie weil ich ihrer Schönheit lauschen kann.

Die junge Frau, frisch getrennt und voller Traurigkeit saß auf diesem Hocker, müde und erschöpft. Und spürte in einem kurzen Moment das Leben wieder und die Hoffnung.

Das kleine Mädchen an ihrer Seite, das flink auf ihren Schoß kletterte und seine kleine Hand für eine Sekunde an ihre Wange legte.

Ein Glücksmoment. 

Ich tauche wieder auf aus meiner Gedankenwanderung und höre mich nach dem Preis für den Hocker fragen.

„ Zwanzig Euro“, sagt die Dame. „ Er stand in einem alten Bauernhof in dem ich mit meiner großen Liebe lebte“

Mich berührt dieser Satz.

Ein flüchtiger Gedanke an die große Liebe.

Würde sie mir begegnen?

Ich glaube an die gute Energie, die sich in meiner verrückten Vorstellung in Gegenständen ansammelt und entscheide mich, nicht zu handeln, so wie ich es sonst mache.

„ Ich nehme ihn“, sage ich mit einem Lächeln und die Dame wischt mit wehmütigem Blick und einer verblichenen Serviette über das wettergegerbte Holz.

Ich sah ihn schon dort stehen in meinem Schlafzimmer vor dem Sofa in dem kleinen Erker.

Dort sitze ich manchmal und blicke auf den alten Kirschbaum vor dem Fenster und spüre meiner Sehnsucht nach.

Und erinnere mich.

An die kleine Hand an meiner Wange.

Und an die Liebe und an dich.


 

Susanne (51) lebt mit ihrer Teenie-Tochter und einer ziemlich alten Katze in Stuttgart. Beruflich begleite sie große Menschen, die mit kleinen Menschen arbeiten in Kindertagesstätten. Sie liebt Bücher, Flohmärkte, ist ein Kaffeejunkie und sammelt schöne Dinge und schöne Momente. Es macht sie glücklich, wenn sie für all das auch schöne Worte finde. Ihre ganz eigene Poesie des Alltags.

 


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