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Der Ehering – geschmiedet im Schicksalsberg

In der Agentur, in der ich tätig bin, kamen wir vor einiger Zeit zu einer Arbeitsbesprechung zusammen. Ganz alltäglich, es saßen etwa 12 Kolleginnen und Kollegen am Konferenztisch. Die Wortmeldungen zogen sich ein wenig in die Länge, also begann ich zu beobachten, dabei fiel mir auf, dass ich die Einzige in der Runde ohne Ehering war. Schlagartig fühlte ich mich als Außenseiterin.

Nicht etwa weil die anderen dieses Gefühl in mir auslösten. Ich schätze meine Kollegen, alles liebenswerte Menschen. Es saß in mir drinnen. Es war die Tatsache, dass die Abwesenheit eines schlichten goldenen Accessoires verriet, dass ich nicht verheiratet bin. Ich habe meinen Ehering nach der Scheidung abgelegt. Ich habe kein zweites Mal geheiratet. Wenn ich heute Behördenformulare ausfülle, muss ich mich seit 18 Jahren als geschieden klassifizieren. Das ist so rückständig! Jedes Mal fühle ich mich gescheitert, „missfit“. Den Satz „wenn ich nicht schon verheiratet wäre, wärst du meine erste Wahl“ kann ich mittlerweile nicht mehr hören. Das Singledasein hat definitiv auch seine Schattenseiten.

Und dieses Gefühl beschlich mich auch wieder in dieser Runde. Wobei beschleichen unzureichend beschrieben ist – es war alarmierend, ein Makel, so empfand ich es. Eine reife Frau ohne Ehering. Meiner war im Feuer des Schicksalsberges geschmolzen. 

Meine Partnerschaft nach der Scheidung war zehn Jahre lang eine wilde Ehe gewesen und allein diese Begrifflichkeit sagt schon wieder so viel über unsere Normen und Werte aus. Es ist nicht unbedingt sympathisch. Und wenn ich in diesem Zusammenhang an unser Steuergesetz denke, das Eheleute begünstigt und manche Eheleute sogar davon abhält, endlich die Scheidung einzureichen, werde ich richtig sauer.

Was jammert die jetzt herum, wird an dieser Stelle vielleicht der ein oder andere denken. Hätte sich ja nicht scheiden lassen brauchen oder hätte ja wieder heiraten können. Dann dürfte sie auch den goldenen Schatz am Ringfinger tragen. Und sich behütet und geliebt fühlen. Respektiert wäre in Anbetracht der Konjunktur von Tinder und Parship wohl überbewertet. Angeblich soll eine nicht unerhebliche Anzahl Männer mit einem Tinder-Account verheiratet sein. Legen diese Männer vor ihren Verabredungen den Ehering kurzerhand ab? Das würde mich wirklich interessieren. Vielleicht bleibt der Ring aber auch demonstrativ am Finger dann ist alles Weitere im Subtext geklärt: „Hey Baby, es handelt sich nur um ein bisschen Spaß, wissen wir ja beide, richtig?“

Unser Quotenmann Knuth wusste auch zu berichten, dass jedes Jahr aus der Kanalisation Hamburgs dutzende Eheringe gefischt werden, zuvor in der Toilette runter gespült.

Ich habe mich bei Geschiedenen umgehört und erfhren, dass das Ablegen des Eherings große Symbolkraft besitzt. Nachvollziehbar, schließlich hängt ein Gelübde daran. Bis das der Tod uns scheidet. Welcher Tod ist damit gemeint? Den, den man stirbt, wenn der Ehemann mit der Kollegin schläft und man die Idiotin ist, die es als Letzte erfährt? Oder den Tod, den man stirbt, wenn man gegen eine 25 Jahre jüngere Frau ausgetauscht wird? Oder den, den man stirbt, wenn man an einer Festtafel mit 18 Menschen die Nummer 19 ist und der einzige Single? 

Ich schlage vor, einen Ring zu etablieren, den alle Frauen und Männer tragen dürfen, die eine Scheidung oder Trennung überstanden haben, die mindestens 100 Tode bedeutet hat. Und auferstanden sind. So einen hübschen feinen teuren Heldenring. Designt für den Mittelfinger. Die Anschaffung müsste von der Steuer absetzbar sein, als finanzieller Ausgleich für alle, die allein in Steuerklasse 1 unterwegs sind. Der S Klasse. S für Single. S für Scheiße, ich lebe allein und soll stark und stolz und sexy sein. Ich denke mal drüber nach wie meiner aussehen soll ...


Über den Autor
Die Autorin ist 1964 auf Sylt geboren, dort war es damals ganz schön wild. Sie ist am Strand unter Piraten aufgewachsen. Heute lebt sie in Hamburg und hat Magazine wie AMICA, Allegra, Emotion und enorm mit Ideen und Texten begleitet. Aktuell arbeitet sie als Texterin in einer Agentur. Das Schreiben über Psychologie und die Liebe zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. 

 

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  • Kommentar

    <p>Ich denke, da muss man sich nicht als Außenseiter fühlen. Trauringe zu tragen ist zwar nett, wenn es für einen selbst passt, aber wer viel schreibt oder mit Geräten arbeitet, für den ist das nicht immer praktisch. So lang man als Paar damit klar kommt, sind Außenstehende doch sowieso egal… ;)</p>