Kunst im Rheinland

 

Da ist sie wieder, die Mutter aller Kunstmessen: Diese Woche drückt die Art Cologne wieder die Starttaste. 2020 wurde der traditionelle Frühjahrstermin zunächst in den Herbst geschoben, schließlich aus bekannten Gründen abgesagt. Jetzt endlich werden etablierte Galerien fünf Tage lang große Namen zeigen. Aber auch neue Positionen lassen sich auf der 54. Art Cologne entdecken. Ab in die Kunst geht im Rheinland auch jenseits dieser berühmten Kunstmesse. Schließlich hat hier das Bewahren und Sammeln von bildender Kunst eine lange Tradition und die Museumsdichte sucht ihresgleichen. Die Highlights für SoSUE sind vier Sammlungs-Klassiker, ein riesiges Kirchenfenster und eine sehr coole Neuentdeckung an der frischen Luft.

 

Von Juliane Rohr

 

Düsseldorf - Zwei Mal Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

K 20

Düsseldorf gilt als die Modestadt Deutschlands. Die Königsallee ist der Catwalk auf dem man sich zeigt, um gesehen zu werden. Wichtige Modehäuser haben ihre luxuriösen Shops entlang der Straße. Zwei Minuten von der Kö entfernt findet sich großartige Kunst: Am Grabbeplatz ist das K 20. Es ist das erste Haus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Eröffnet im Jahr 1986, im K 21 findet sich seit 2002 der zweite Teil der Sammlung.

Die Wechselausstellungen im K 20 sind immer die Auseinandersetzung mit der Kunst wert. Gerade wird Georges Braque beeindruckend als Erfinder des Kubismus gefeiert. Der französische Maler findet in Deutschland weniger Beachtung als sein Freund Pablo Picasso. Die englische Künstlerin Lynette Yiadom-Boakye mit ghanaischen Wurzeln verzaubert mit ihren unglaublich präsenten Figuren, die sich in rätselhaft zeitlosen Räumen befinden. Die Ausstellung hat im vergangenen Jahr das Publikum in der Tate London begeistert. Die ständige Sammlung ist ebenso fantastisch und zeigt, was im Rheinland an zeitgenössischer Kunst gesammelt wurde.

 

Sara Morris Kacheln Motiv an der K20

 

K21

Lust auf eine Luftnummer in Sachen Kunst?  Das geht im K21, das Ständehaus beherbergt nicht nur den zweiten Teil der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, sondern auch eine der beeindruckendsten Locations Düsseldorfs. Der Künstler Tomás Saraceno hat hier unter der gewaltigen Glaskuppel ein spinnenartiges Netz gewoben, das begehbar ist. Ich genieße von „In Orbit“ aus den Ausblick auf den Museums-Innenhof. Bitte vorher einen Slot buchen. Ganz beschwingt lasse ich mich danach durch die ikonische Sammlung des Museums treiben. Unter anderem mit Keramiken von Thomas Schütte, Installationen von Ai Weiwei oder Fotografien von Wolfgang Tillmans.

 

Tomás Saraceno Glaskuppel

 

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, am Grabbeplatz 5,  und in der Ständehausstraße 1, Düsseldorf. Die beiden Häuser sind fußläufig knapp 10 Minuten voneinander entfernt.

Der Kaffee schmeckt in den Museen ebenso wie bei Breuninger (hier kann man zudem gut shoppen). Chic ist es bei Parlin in der Altstadt. Cool am Hafen liegt die Meerbar und Das Tour im 25hours Hotel bietet gutes Essen mit tollem Blick.

 

Neuss - Langen Foundation

Immer einen Besuch wert ist die Langen Foundation. Sie liegt etwas abgelegen bei Neuss auf der Raketenstation und der Museumsinsel Hombroich. Allein schon der Ort, die Raketenstation, ein ehemaliger NATO-Luftwaffenstützpunkt, und das Gebäude von Tadao Ando sind fantastisch. Ein minimalistisches Gebäude, das dank riesiger Fenster, den Blick in die umliegende niederrheinische Natur zulässt. Die gezeigte Kunst tritt so teilweise in einen herrlich entspannten und zugleich anregenden Dialog. Über eine an einem Wasserbassin gelegene Betonbrücke laufe ich an japanischen Kirschbäumen vorbei zum Museum. Egal zu welcher Jahreszeit ist das einfach schön. Auch, weil die Architektur so spektakulär ist.

 

 

 „Das Gebäude der Langen Foundation ist das wertvollste Kunstwerk, was ich je erworben habe,“ sagte Marianne Langen (1911-2004). Sie ließ das Gebäude bauen – für die Sammlung, die sie mit ihrem Mann Viktor geschaffen hat. Die Foundation wird heute von ihrer Enkelin Karla Zerressen geführt und es werden großartige, zeitgenössischen Ausstellungen gezeigt. Zu dem kann ich immer wieder auch japanische Kunst aus der Sammlung betrachten. Nach der viel beachteten Alicja Kwade Schau, freue ich mich aktuell auf die Präsentation des Objektkünstlers Daniel Spoerri.

 

 Juliane Rohr vor Alicja Kwade Skulptur

Unbedingt Zeit für einen Spaziergang einplanen. Denn die Museumsinsel wurde von einem weiteren rheinischen Sammler, Karl-Heinrich Müller, bereits in den späten 80er Jahren mit Atelierhäusern, Pavillons und Skulpturen erschlossen. 

 Langen Foundation, Raketenstation Hombroich, 41472 Neuss

Das Cafe Biemel auf der Museumsinsel ist leider nur von April bis Oktober geöffnet. Im Winter am besten den kurzen Weg nach Düsseldorf fahren (Tipps siehe oben).

 

Köln - Museum Ludwig

Zwischen Dom und Hauptbahnhof gelegen ist das Museum Ludwig für mich bei jedem Köln-Besuch ein Muss. Es reicht schon durch die exquisite permanente Sammlung  zu schlendern, um aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen. Das Sammlerpaar Irene und Peter Ludwig sammelten Pop Art Künstler wie Andy Warhol, Expressionisten wie August Macke und auch Fotografie. Hier ist die drittgrößte Picasso-Sammlung der Welt zu Hause. Der Schokoladenfabrikant Ludwig suchte eine Zeit lang nach Motiven für die Verpackungen seiner Schokoladentafeln in der zeitgenössischen Kunst und entdeckte so Künstler wie Warhol & Co. Ansonsten sind in dem Museum viel beachtete Wechsel-Ausstellungen zu entdecken.

 

Museum Ludwig inside

 

Richter Fenster im Dom

Dieser Dom ist ein Faszinosum und das Fenster von Gerhard Richter ein echtes Highlight. Einige meiner Freundinnen hoppen nur mal eben für zehn Minuten rein, um sich bezaubern zu lassen und zur Ruhe zu kommen. Die Atmosphäre in der Kathedrale und das ultramoderne Fenster im Südquerhaus des Doms sind in Kombination einfach hinreißend. 72 Farben verteilt auf 10500 Glasquadrate hat der Künstler für das Fenster per Zufallsprinzip zusammensetzen lassen. Role model war eines seiner Bilder aus dem Jahr 1974. Der Kölner Dom ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt und das Fenster von einem der teuersten Künstler der Welt ist ein zusätzliches upgrade. Mich fasziniert zudem die Tatsache, dass mit dem Bau der Kirche im gotischen Stil im Jahr 1248 begonnen wurde. Fertiggestellt war sie erst 1880. Kunsthistoriker sehen in dem Dom auf Grund der ausgewogenen Bauform eine vollkommene Kathedrale.

Gerhard Richter Fenster im Kölner Dom

 

Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln

Kölner Dom, Domkloster 4, 50667 Köln

Der Salon Schmitz für mich der all-time-Klassiker in Köln im coolen, belgischen Viertel für Lunch, Kaffee und Dinner.

 

Bonn - Bundeskunsthalle

Es gilt als das meistbesuchte Museum Deutschlands mit durchdachten Ausstellungen und einer irrwitzigen Geschichte. Die Bundeskunsthalle wurde schon 1949 angedacht – als Ort um den geistigen und kulturellen Reichtum des Landes zu zeigen. Es stellte sich jedoch schnell die Frage „Brauchen wir eine Bundeskunsthalle?“ 1977 und 1981 wurde das Projekt von Initiativen befeuert. Künstler wie Joseph Beuys oder Jörg Immendorff entwarfen Plakate für ein Museum, das es gar nicht gab. 1984 wurde der Bau dann vom Bundeskabinett beschlossen und 1990 konnte das Museum endlich eröffnen.

 

 Brunnen von Jeep Hein

Die zweigeschossige von Gustav Peichl entworfene Bundeskunsthalle wirkt von außen eher abweisend, wären da nicht diese drei, türkisen Hütchen auf dem Dachgarten, die als Lichtschächte fungieren. Auch die Rutschbahn von Künstler Carsten Höller gibt dem Gebäude noch einen Kick. Da das Haus keine eigene Sammlung besitzt gibt es mehrere Ausstellungen gleichzeitig. Die Themen reichen von Kunst über Politik bis zur Mode. Ideenreiche Kuratoren sorgen für den richtigen Spannungsbogen.

  

Rutsche von Carsten Höller Bundeskunsthalle Bonn

 

Bundeskunsthalle, Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn

Zum Essen geht es ins Halbedels oder auf eine gesunde Bowl zu Ma‘loa.

 

Kreis Heinsberg - Bilderreise von Tim Berresheim

 

Sehr zeitgemäß geht es im Heinsberger Land zu: Es gibt Kunst für alle und das auch noch an der frischen Luft. Die Bilderreise von Tim Berresheim ist ein absolutes Highlight. Als Radtour über 90 Kilometer quer durch den Kreis Heinsberg konzipiert, kann ich von Station zu Station radeln und via App ziemlich coole Kunst erleben.

 Bilderreise mit Tim Berresheim

Augmented Reality erweitert das, was ich gerade sehe. Durchs Handy betrachtet schweben vor mir plötzlich ein Skateboard, ein Baseballschläger und eine Tarot-Karte. Zitronen und Zimtschnecken fliegen durch die Luft. Alles Erinnerungsstücke von Tim Berresheim, der hier im Kreis groß wurde und inzwischen ein international gefragter Künstler für computergenerierte Kunst ist. Ich kann das Kunstwerk von allen Seiten betrachten zudem ganz nah heran-  und durchgehen. Klingt verwirrend? Einfach probieren und sich das Lächeln an vierzehn (plus drei Bonus-)Punkten ins Gesicht zaubern lassen. Die Bilderreise funktioniert auch wunderbar als Spaziergang – mit dem Auto unterstützt.

 

 

Zur phantastischen Bilderreise geht es am besten über diesen Link

Zum Essen empfiehlt sich das Troyka in Erkelenz. In dem Pop-up-Restaurant wird russisch angehaucht auf Sterneniveau gekocht.  

 


Juliane Rohr ist Journalistin, lebt und arbeitet in Berlin. Kunst ist immer schon ihre große Liebe, neben ihrem Mann und den beiden Söhnen, die inzwischen im Studium sind. Mit Leidenschaft gibt sie bei uns Kunst-Tipps. Interessante Menschen in der Kunst porträtiert sie für n-tv.de. Im Blog kochen, kunst und ketchup bespricht sie monatlich Ausstellungen und noch mehr gibt es sehr regelmäßig in ihrem Instagram-Account jr.artynotes.

 


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