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Knuths Lost & Found Juli

 

Knuth glaubt, dass wir Dinge, die uns im Urlaub begeistern, in den Alltag integrieren sollten. Vieles wäre besser im Leben, wenn wir immer Urlauber blieben. Dann stellt Knuth in seinem Monatsrückblick noch ein paar Kulturtipps vor. Diesmal mit dabei: Shirin David, Bob Marley und eine Doku über einen Planet ohne Affen.

#Urlaubsreif

Juli 2021 – Wenn du das liest, bin ich weg und beobachte Urlauber. Meine Sinnesschulungen mache ich am liebsten an einem Strand, weil wir hier alle die Hosen herunterlassen müssen. Es kümmert wirklich keinen, wie du aussiehst. Alle hängen hier einfach nur ab. Diese Entspanntheit und Toleranz ist so wunderbar. Und wenn ich so richtig darüber nachdenke, fehlt mir diese Strandphilosophie im Alltag. Sobald wir wieder in der täglichen Tretmühle sind, vergessen wir alles, wo für wir uns im Strandkorb begeistert haben.

Wir leiden an einer Art Heimkehrerdemenz. Warum integrieren wir nicht einfach Dinge, die wir im Urlaub toll finden, in unser tägliches Leben? Ich denke, es würde uns viel bringen.

Da ist zum Beispiel die Sehnsucht nach Natur. Wir nehmen teilweise Weltreisen in Kauf, nur um etwas Wildnis zu erleben. Sobald wir aber wieder in der Heimat sind, wird die Flora und Fauna vor der eigenen Haustür ignoriert. Wäre es nicht toll, wenn wir das gleiche Entzücken für Straßenbäume aufbringen könnten, wie für die Alpen oder dem Great Barrier Reef?

Oder nehmen wir das Thema „beschauliches Städtchen“, in dem es wenig Autoverkehr gibt. Wir lieben es in den Urlaubsorten, durch die Gassen zu schlendern und sind ganz verzaubert von dem entspannten Treiben auf der Straße. Wir hocken dann draußen vor einer Pizzeria und genießen es, ungestört mitten in einer Stadt zu speisen. Versuch das mal in der Hamburger Innenstadt. Das letzte Mal, als ich dort in einem Straßencafé saß, rauschte ein SUV nach dem anderen an mir vorbei, als wäre eine Generalmobilmachung im Gange, um ein fremdes Land zu überfallen. Dabei wünschen wir uns alle ruhige Innenstädte, in der wir wirklich Lust haben, unsere Zeit zu verbringen. Sobald aber eine Stadt in Deutschland das genau umsetzen will, drehen alle durch. Wir vergessen sehr schnell, wie unbeschwert das Leben ohne Autos im Urlaub war.

Es irritiert mich auch, wenn wir uns in den Ferien plötzlich in Gourmets verwandeln. Plötzlich gurgeln wir Boutique-Weine, halten Vorträge über seltene Schweinerassen und lustwandeln über Dorfmarktplätze. "Endlich schmecken Tomaten, mal nach Tomaten!", sagen wir dann selbstzufrieden. Unser Gaumen kriegt sich vor Glück nicht mehr ein. Doch kaum haben wir das Schlaraffenland verlassen, fallen wir auf die Verlockungen der Discounter herein, obwohl wir es doch besser wissen müssten. Ein böser Geist, der im Urlaub abwesend war, legt dann plötzlich einen Schalter um und alle unsere Sinnesfreuden sind verschwunden. Auch hier würden wir alle nur gewinnen, wenn wir die Wertschätzung für gutes Essen aus unserem Urlaub dauerhaft etablieren könnten. Wir alle würden davon profitieren: Die Landwirte bekämen endlich faire Preise und wir hätten endlich ein Essen, das es verdient, Essen genannt zu werden.

Das sind nur ein paar Gedanken, die mir spontan eingefallen sind. Die Einzigen, die sich im Alltag genauso benehmen wie im Urlaub, sind die Sonnenliegenblockierer und Buffetdrängler. Wir dürfen ihnen nicht das Feld überlassen. Wir sollten das Beste aus dem Urlaub für zu Hause übernehmen. Lass uns immer Urlauber bleiben. Es tut uns so gut.

 

***

 „Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für diese Verwüstung“, sagte Kanzlerin Angela Merkel hinterher, als sie später eine Gemeinde besuchte, die besonders hart von der Flutkatastrophe getroffen wurde. Auch mir fehlen die Worte. Es ist eine Tragödie. Unfassbar. Hoffentlich ändern wir bald etwas, damit sich so ein Unglück nicht noch einmal wiederholt.

 


 

Die Reisen des Mr. Leary

 

Beim Abstauben entdeckte ich in meinem Bücherregal Anne Tylers Roman „Die Reisen des Mr. Leary“ wieder. Ich habe das Buch damals gerne gelesen. Der sehr kauzige Mr. Leary ist Reiseautor, der aber wie alle, die viel unterwegs sein müssen, das Reisen sehr hasst. Er muss gerade ein paar Schicksalsschläge verdauen, die sein sehr strukturiertes Leben durcheinanderbringen. Als sei das alles noch nicht genug, tritt plötzlich die chaotische Muriel in sein Leben und sorgt für noch mehr Unruhe. Schöne Sommerlektüre, die traurig und komisch zu gleich ist.

Die Reisen des Mr. Leary , Anne Tyler, Kein und Aber Verlag, 416 Seiten

 


 

Positive Vibration – Bob Marley

 

„One good thing about music, when it hits you feel no pain.“ Die Zeile stammt aus Bob Marleys Song Trenchtown Rock. Bei Reggae mag das sogar zutreffen. Ein dreiteiliges Radiofuture aus den 80er-Jahren beschreibt die Deutschlandtournee von Bob Marley. Faszinierend zu hören, wie Medien und Menschen damals auf den „Zottelmusiker“ aus Jamaika reagierten. Marley selbst wusste nicht viel über das Land durch das er gerade tourte. Auf die Frage was er über Deutschland wisse, antwortet Marley, er kenne nur Hitler, Müller und Beckenbauer.

Positive Vibration – Radiofuture über Bob Marley; Aus den Archiven, Deutschlandfunk Kultur

 


 

Planet ohne Affen

 

Der Unterschied im Erbgut zwischen einem Schimpansen und einem Menschen liegt nur bei 1,3 Prozent. Menschenaffen sind unsere nächsten Verwandten, aber wir sind nicht sehr nett zu unseren Vettern. Wir zerstören ihre Lebensräume und machen Jagd auf sie, besonders auf ihre Babys haben es die Wilderer abgesehen. Sie werden an Zoos, Erlebnisparks oder an Social Media Stars verkauft. Gorilla- oder Bonobo-Kinder bringen viel Geld ein und garantieren hohe Klickzahlen. Eine engagierte ARD-Dokumentation zeigt das dunkle Geschäft mit den Primaten. Ich war sehr geschockt, mir war nicht klar, dass mittlerweile ganze Populationen aus den Urwäldern verschwunden sind.

Planet ohne Affen – ARD Mediathek

 


 

Lieben wir

 

„..Shirin gibt mir jedes Mal das Gefühl, eine starke und stolze Frau zu sein. Und dann fällt mir ein, dass ich ein Mann bin...“, das schreibt ein Shirin David Fan auf YouTube in einem Kommentar. So ganz unrecht hat er nicht. Sie ist eine starke und selbstbewusste Frau. Die Hamburgerin und Absolventin der Jugend-Opern-Akademie hat mir ein wunderbares „Poesie-Picknick“ bereitet. Schöne Beats und freche Lines. Liebe ich. Sie darf das. 

Lieben Wir und Ich darf das  – Shirin David, Playlist von Shirin David gibt es bei iTunes und Spotify

 


 

Grand Union

 

„...Einfühlungsvermögen anrühren! Ist das nun ein ästhetisches Prinzip oder ein moralisches – oder beides? Schwer zu sagen. Der Hauptpunkt allerdings ist gänzlich unstrittig: Ziel und Zweck jeglicher Erzählung ist es, das Einfühlungsvermögen anzurühren, immer und überall ...“ Das Zitat stammt aus einer Zadie Smith Erzählung aus ihrem Buch „Grand Union“. Diese schnellen Gedanken gefielen mir gut, vielleicht hätte ich ihre Geschichten besser laut vorlesen sollen, weil ich denke Zadie Smith Geschichten müssen gehört werden. Muss aber nicht sein, wer es still für sich liest, dessen Einfühlungsvermögen wird auch leise kräftig angerührt. Ganz sicher.

Grand Union – Zadie Smith, Erzählungen, Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten

 

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Wieder muss ich mich bei dir bedanken. Es freut mich, dass du alles gelesen. Danke. Ich hoffe, du genießt den Sommer. Wenn du im Urlaub bist, wünsche ich dir eine schöne Zeit. Wir sehen uns Ende August wieder. Bis bald.

 


 

Knuth ist Gründungsmitglied von SoSUE und unterstützt noch weitere Marken. Er selbst beschreibt seine Arbeit als „irgendwas mit Medien“. Der Hamburger würde am liebsten auf einen Berg mit Strand ziehen. Mehr über Knuth erfahrt ihr auf seiner Website Collideor and Scope.

 

 


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