Knuths Lost and Found - April

#lockdown

April – Träge, wie eine angedickte Soße strömte die Elbe in Richtung Nordsee. Ich stand morgens am Ostersonntag auf den Elbbrücken und verabschiedete ein paar Wellen. In ein paar Stunden sind sie in der Nordsee und in ein paar Tagen im Atlantik, dachte ich. Seit Corona meinen Alltag bestimmt, war es das erste Mal, dass ich Lust bekam irgendwo hinzureisen. Einen Gedanken an diesem Ort in Ruhe zu Ende zu träumen war merkwürdig. Normalerweise und selbst an Sonntagen, ist es ein sehr lauter Ort. Tausensende Autos, Laster und Züge rasen hier täglich rüber. Fußgänger oder Radfahrer flüchten dann über die Brücke. Keiner erträgt den Lärm und Gestank. Diese Ostern jedoch sorgte der Virus für Ruhe. Ich hörte Vögel singen und die Wellen schunkelten mit einen sanften Flatsch an das Ufer. Der Himmel war blau. Die Sonne wärmte. Es war still.

Corona-Fatigue: Der April war ein Monat der verpassten Sondersendungen, News und Reportagen. Ich beschloss, dass die Pandemie ab sofort zu meinem Leben mit dazu gehört. Es gab viele andere Themen, die mein Interesse weckten.


 

Wie man sich die Welt erlebt

 

Keri Smiths Buch ist eine Anleitung für das tägliche Abenteuer vor der Haustür: „ Zu jeder Zeit und ganz egal wo du bist, bist du umgeben von Hunderten von Sachen, die aufregend sind und erkundet werden wollen.“, schreibt sie. Es ist wie in den Kindertagen als wir rausgegangen sind, um Dinge zu finden, oder auf Baustellen Pfandflaschen gesammelt haben.

Keri Smith, Wie man sich die Welt erlebt. Das Alltagsmuseum zum Mitnehmen, Verlag Antje Kunstmann

 


 

Unorthodox

Eine junge chassidische Jüdin aus Williamsburg Brooklyn flieht aus einer arrangierten Ehe. Sie erträgt die strengen Regeln der orthodoxen Sekte Satmar nicht mehr und taucht in Berlin unter. Fortan wird sie von der Sekte gejagt. Eine deutsche Netflix-Produktion bei der Maria Schrader die Regie führte. Eine Alles-Serie: Gutgemachte Unterhaltung, ich habe viel gelernt und stellte fest, dass jiddisch schön klingt. Ein verdammt spannendes Drama.

Unorthodox, Mini-Serie auf Netflix

 


 

Dick, dicker, fettes Geld

Es ist mit der schlimmste „Virus“: Zucker. Übergewicht, Fettleibigkeit und Adipositas wird zu einer der Epidemie werden. Laut ARTE Doku soll 2030 die Hälfte der Weltbevölkerung daran leiden. Erschreckend ist, dass es Konzerne und Regierungen wenig kümmert. Der richtige Film für den Blick über den Tellerrand: Da läuft gewaltig etwas schief.

Dick, dicker, fettes Geld, in der ARTE Mediathek

 


 

 

Fidelio

 

Als ARTE-Gucker und Freund von irren Musiker*innen habe ich noch einen Tipp aus der Mediathek des Kultursenders: Beethovens einzige Oper Fidelio am Theater an der Wien ist jetzt im Streaming-Angebot. Die Aufführung sollte eine der Höhepunkte des Beethoven Jahres werden, fiel aber wegen Corona ins Wasser. Die Inszenierung ist von Christoph Waltz und wurde kurzerhand TV-tauglich umgesetzt. Dem Meister hätte es gefallen.

Fidelio in der ARTE Mediathek

 


 

 

Die große Wörterfabrik

Warum gab es das Internet nicht schon in meiner Kindheit? Vielleicht wäre ich dann früher zu einem Leser geworden. Meine neue Lieblings-App ist eigentlich für Kinder ab drei Jahren gedacht, aber ich habe mich auch amüsiert. Im Land der großen Wörterfabrik kosten Wörter Geld. Wer arm ist, kann sich keine leisten und bleibt fast sprachlos. Jedes Wort kostet etwas. Und die Reichen können sich sogar Luxuswörter leisten, wie „Rollschuh“ oder „Augenblick“. Mega Nice.

Die große Wörterfabrik, App gibt es bei Google Play oder im App-Store

 


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