Einfach machen

 

Yara Hoffmann hat im Leben schon viel ausprobiert und kann nicht damit aufhören. Manchmal ist sie selbst überrascht, welches Potenzial in ihr steckt. Für SoSUE ist sie mal in sich gegangen und erzählt, wie sie immer wieder für sich neue Fähigkeiten entdeckt. Jetzt lesen.

Von Yara Hoffmann

Es ist schräg. Ziemlich schräg. Ich denke nach über einen guten Einstieg für diesen Beitrag. Gedanklich gehe ich Sprüche durch, Mut sollte vorkommen, Umbruch vielleicht. Was ploppt stattdessen auf? Ein Kanon aus meiner Kindheit: „Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“ Ich will den Gedanken wegschieben, zu kitschig. Gleichzeitig muss ich schmunzeln, denn irgendwie passt er doch ganz gut.

Was macht mich eigentlich froh? Heute kann ich sagen: ich zu sein. Frei zu sein. Auf allen Ebenen. Eine Reise, die vermutlich nie endet. Aber irgendwann fängt sie eben an.

Ein Ausschnitt: Ich habe jahrelang als Journalistin in sicherer Anstellung gearbeitet. Klassisch Fernsehen gemacht, in verschiedenen Positionen, mit vielen Chancen, ich konnte mich toll entwickeln, darüber bin ich sehr dankbar. Als Reporterin habe ich viele relevante politische Ereignisse begleitet, über die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz und Köthen berichtet, stand vor der Kamera, als der Anschlag auf die Synagoge in Halle war. Diese Ereignisse haben mich natürlich geformt. Was mich aber nachhaltig und bis heute am meisten beschäftigt und bewegt, sind Begegnungen mit Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen, die sich mir öffnen, anvertrauen, die ich nach ihren Hintergründen fragen und deren Geschichten ich teilen darf. Auch das konnte ich in meinem Job, aber nur limitiert.

„..Ich wollte nur noch machen, wofür ich brenne...“

 

Was mich beschäftigt hat: Wie kann ich ihnen gerecht werden? Wertschätzend und umfassend spiegeln, was ich dabei erlebe? In einem Fernsehbeitrag mit 1:30 Länge kaum möglich. Mich hat das frustriert. Also habe ich neben meinem Vollzeitjob meine eigenen Formate entwickelt, einen Podcast gestartet, „helloyara“. Dafür habe ich Menschen getroffen, die mir von ihren Wendepunkten im Leben berichtet haben. Mich an sich rangelassen haben und deren Geschichte ich in Gänze teilen konnte. Ich bin richtig aufgeblüht, weil das eben meine Stärke ist. Eine von vielen.

Ich wollte nur noch machen, wofür ich brenne. Also habe ich gekündigt. Zugegeben, zuerst mit angezogener Handbremse, da ich ein Abwerbeangebot von einem anderen Sender hatte. Dort habe ich ein Jahr lang 50 Prozent Moderation und Formatentwicklung von Livestreams gemacht, die andere Zeit in Selbstständigkeit genutzt, um alles auf mich zukommen zu lassen. Mittlerweile arbeite ich komplett frei.

Die beste berufliche Entscheidung bislang. Denn meine Erfahrung zeigt: wenn man sich bewusst und voller Vertrauen dazu entscheidet, eine Tür zu schließen, öffnen sich so viele neue von alleine. Ich moderiere plötzlich große Veranstaltungen und Podcasts, gebe Seminare und Workshops zu Formatentwicklung und journalistischer Sichtbarkeit. Vor allem nutze ich aber auch die Zeit, um mich besser kennenzulernen.

Seit knapp einem Jahr trainiere ich mit einer Energiearbeiterin mein Mindset. Es geht darum, Unbewusstes, besonders negative Gedanken - ich kann das nicht, es gibt so viele Bessere, wie soll ich das schaffe - zu transformieren und sich auf das Positive zu konzentrieren.

 

„...ich habe begriffen: ich kann alles sein!“

 

Das hat mir besonders geholfen, alle Bereiche meines Lebens in Frage zu stellen: wer bin ich wirklich? Was kann ich wirklich? Inwiefern haben mich Familie und Gesellschaft schon früh so geformt, dass ich gewisse Rollen erfülle, die ich aber gar nicht mehr erfüllen möchte?

Es ist, als ob ich einen Schalter umgelegt hätte, denn ich habe begriffen: ich kann alles sein! Ich bin alles und ich lasse mich nicht mehr von Vorstellungen limitieren, was und wie eine gute Journalistin zu sein hat und wie nicht. Denn ich bin so viel mehr als „nur“ Journalistin.

In dem Moment, in dem sich mein Inneres verändert, kommen auch andere Anfragen von außen: auf einmal bin ich auf sehr großen Bühnen Speakerin, spreche über Mut, über Selbstmarketing, darüber, wie man den eigenen Weg findet, wie man lernt, auf die eigenen Impulse zu hören und ihnen zu vertrauen. Auch wenn ich als Moderatorin gebucht werde, steht mehr im Vordergrund, wie ich mich mit meiner Art und meinem Hintergrund einbringe. Es geht mehr und mehr darum, keine von wem auch immer vorgegebene Rolle zu spielen, sondern Ich zu sein.

Es hat sich so viel verändert dadurch, dass ich mir selbst erlaubt habe, mich zeigen zu dürfen. Auf meiner eignen Bühne stehen zu dürfen. Mich trauen zu dürfen, auch über Themen zu sprechen, die nicht in das Bild einer klassischen (öffentlich-rechtlichen) Journalistin passen. Ich habe öffentlich über meine Liebe zu Frauen und Männern gesprochen, darüber, dass ich eine Ausbildung zur Tarotlegerin gemacht habe, weil mich das Vertrauen in meine eigene Intuition so fasziniert und stärkt und ich weiß, dass ich damit anderen etwas mitgeben kann.

Ich bin mittendrin. Mittendrin im Prozess, mich kennenzulernen, mit all meinen Fähigkeiten. Und ich liebe es. Ich liebe es so sehr, mich nicht mehr zu limitieren und die Welt wieder wie ein Kind zu betrachten: staunend, mit großen Augen, offenem Herzen und dem Gefühl, alles sein zu können, wenn man groß ist. Ich wollte immer Sängerin und Schauspielerin werden. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, meine Kindheitsträume wahr werden zu lassen.

Wir werden sehen. Egal wie es kommt: Ich kann es kaum erwarten!

 


Yara Hoffmann ist eine deutsche Journalistin. Neben ihren Moderationstätigkeiten steht sie als Speakerin auf der Bühne und gibt Workshops zu Themen wie Selbstmarketing, dem Einsatz der Stimme oder zu Formatentwicklung. Seit Jahren entwickelt die Journalistin eigene Medienformate, wie den Podcast "Allein zu Sein" mit Politikerin Diana Kinnert oder den wöchentlichen Politik Newsletter heyama.de mit Influencerin Masha Sedgwick. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie in den Redaktionen der ZDF heute-Nachrichten und produzierte Inhalte für sämtliche Sendungen des Senders. Als Reporterin im ZDF-Studio Sachsen-Anhalt verantwortete Yara vor allem die crossmediale, aktuelle Berichterstattung. Für MDR Sachsen-Anhalt war sie als Formatentwicklerin und Moderatorin von Livestreaming-Formaten tätig. Mehr über Yara erfahrt ihr auf ihrer Website.

 

 

 

 


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