Bon Voyage: Ein Wochenende mit kosmopolitischem Flair in Leipzig

Big City Life und Heimathafen? Könnt ihr haben. Nachdem ich euch zur Weihnachtszeit mit nach Dresden genommen habe, entführe ich euch heute zur Stippvisite in eine weitere sächsische Stadt… böse Zungen behaupten sogar, dass es die eigentliche Landeshauptstadt sei. Ich sage euch: Das ist ganz, ganz unsicheres Terrain…

Berlin who?! Heute nehme ich euch mit nach … LEIPZIG! Die vielleicht alternativste Stadt Sachsens. Ich bin gespannt. Ihr auch?

 

Von Isabel Sophie Möller

 


 


Ein Wochenende in Leipzig: Fühlt euch willkommen

Ähnlich wie Dresden, ist Leipzig ein ganz großes Stück Heimat für mich. Durch kaum eine andere Stadt bin ich öfter getigert – auch deshalb, weil ich hier arbeiten darf.

Kleiner Überzeugungsversuch am Rande: Laut einer aktuellen Umfrage der Sprachlernplattform “Preply” landete Leipzig im Höflichkeits-Städte-Ranking auf Platz 7. Noch Fragen? Und besonders im Sommer ist Leipzig ein unfassbar lebenswertes Fleckchen Erde. Das verspreche ich euch.

Also: Dann wollen wir mal Koffer packen und abtauchen (die Wasser-Metapher werdet ihr schon noch verstehen).

Leipzig im Schnelldurchlauf

Wie schon in Dresden fällt es mir schwer, mit dieser Kolumne anzufangen. Ich kenne die Stadt zu gut, um euch nur ein paar Tipps mit an die Hand zu geben. Aber here we go – ich versuche es.

Fangen wir ganz klassisch am Bahnhof an – und lasst euch gesagt sein: Schon der ist ein Touristen-Magnet.

Der Leipziger Hauptbahnhof ist einer der schönsten in ganz Deutschland. 1915 eröffnet, prägt er seit mehr als einem Jahrhundert das Stadtbild. Nirgends lässt es sich schöner auf den Zug warten - als Viel-Fahrerin spreche ich aus Erfahrung.

Direkt nebenan befindet sich das Hotel Astoria – früher einmal eine der besten Adressen der Stadt. 1915 in Leipzig eröffnet, schloss es 1996 seine Toren, wird aber jetzt wieder aufpoliert, damit es als Grandhotel im neu-alten Glanz erstrahlen kann.

 

Leipziger Innenstadt

 

 

Vom Bahnhof ist es nur ein Katzensprung in die Innenstadt. Hier einfach Treiben lassen und Geschichte einatmen. Must-See: Thomaskirche mit Grabstätte von Johann Sebastian Bach, das Alte Rathaus, die Bibliotheca Albertina (hier befindet sich der historische Altbestand der Universitätsbibliothek) und natürlich Auerbachs Keller! Hier bitte an Mephistos und Fausts Schuhen rubbeln – soll Glück bringen! Und danach ab in die Mädler-Passage zum stilvollen Shoppen.Connewitz

Kein Leipzig-Aufenthalt ohne das Völkerschlachtdenkmal! An diesem historischen Platz fand 1813 die legendäre Schlacht statt, in der Preußen, Österreich, Russland und Schweden Napoleon besiegen konnten. Tipp: Von der Aussichtsplattform hat man einen grandiosen Panoramablick. Sportbegeisterte können am frühen Morgen um das Denkmal joggen oder mit ihrem Hund ein Ründchen drehen.

Panometer Leipzig – Kunst im Industriedenkmal: Das Panometer ist ein Ausstellungshaus für 360°-Panoramen. Klingt ziemlich abstrakt, lässt sich auch schwer in Worte fassen. Ob Titanic, der Zweite Weltkrieg oder aktuell 9/11: Man taucht auf magische Weise ins Geschehen ein – Geschichte wird lebendig.

Fünf Gehminuten vom Panometer entfernt befindet sich der Mitteldeutsche Rundfunk. Soweit, so gut. Doch wirklich spannend ist das Gelände: Der MDR befindet sich nämlich auf dem alten Schlachthof Leipzig, der aufwendig und wirklich wunderschön umgebaut wurde. Der Schlachthof versorgte einst ganz Leipzig mit Fleisch und Wurst. Zu DDR-Zeiten waren hier 1.700 Menschen beschäftigt. Ich kann jedem einen Besuch und eine Studio-Tour wärmstens empfehlen. Wenn man Glück hat, begegnet man auch bekannten TV-Gesichtern.

 

Karl-Liebknecht-Straße:Genug Kultur – ab auf die Karli, Leipzigs beliebteste Genuss-Meile. Ob Bummeln, Kaffeetrinken oder nächtliches Ausgehen – hier findet man alles, was das Herz begehrt. Abends empfehle ich einen Abstecher ins urige “Puschkin”.

 

Tagsüber ist das Highlight schlechthin die Leipziger Löffelfamilie. Hierbei handelt es sich um eine alte Leuchtreklame der VEB Feinkost Leipzig. Foto-Hotspot Number One sage ich euch.

Gohlis

Es muss einfach sein: Ein Besuch im Leipziger Zoo! Ich lehne mich jetzt vielleicht weit aus dem Fenster, aber es handelt sich hier um den schönsten Zoo Deutschlands! Am besten vorab Tickets buchen, so spart man sich langes Anstehen. Falls man zwischendurch von einem kleinen Hüngerchen geplagt wird, empfehle ich das “Hacienda Las Casas”. Hier speist man direkt neben Capybaras.

Raus aus dem Trubel, rein in die Oase der Erholung: Hinter dem Zoo befindet sich das kleine Gohliser Schlösschen. Gerade um die Mittagszeit ist es hier herrlich ruhig. Kunstliebhabern empfehle ich einen Blick ins Innere, denn im Rokoko-Bau kann man Kunst aller Genres besichtigen.

Sightseeing im Leipzig-Style

Der beste Weg um (meiner Meinung nach) Leipzig zu erkunden? Zu Wasser – hättet ihr jetzt nicht gedacht, oder? Als jemand, der von Klein auf unzählige Male in der Stadt war, sei euch gesagt: Gemütlich im Boot sitzend habe ich Leipzig noch einmal ganz anders kennengelernt und in mein Herz geschlossen.
Mein Tipp also: Gönnt euch vom Stadthafen Leipzig aus eine Sightseeing-Tour per Motorboot, packt Getränke ein, haltet das Näschen in die Sonne und genießt die Kulisse. Meist schippern die kleinen Touri-Schiffe auch durch das sagenhaft-schöne Musikviertel in der Leipziger Südwestvorstadt. Wie Perlen an einer Kette reihen sich hier architektonische Meisterwerke aneinander – die man so wirklich nur vom Wasser aus sehen kann.

Kleine Stärkung und großes kulinarisches Vergnügen

Fußläufig vom Stadthafen (etwa 15 Minuten) befindet sich der Clara-Zetkin-Park. Und da eine Seefahrt nicht nur lustig ist, sondern auch hungrig macht, empfehle ich ein kurzes Päuschen im Grünen. Im Musikpavillon könnt ihr gut und gerne ein Stündchen verweilen. Das Essen ist bodenständig-köstlich, die Cocktails hervorragend, die historische Kulisse einmalig. Die kleine Leipziger Institution geht auf das Jahr 1908 zurück – und das spürt man auch!

Direkt nebenan befindet sich einer der beliebtesten Brunch-Hotspots der Leipziger: Das Glashaus im Clara-Zetkin-Park. Meine Favorits sind die liebevoll belegten Naturbrote, die kreativ zusammengestellten Salate (mit Brot versteht sich) – und natürlich der herrlich erfrischende Erdbeer-Spritz.

 

Apropos Brot: Schon einmal bei einem Brot-Sommelier gewesen? Nein? Was für eine kulinarische Schande…aber dieser Fauxpas lässt sich schnell beheben – vor allem in Leipzig. Wenn ihr in der Stadt sein solltet, kauft einfach in der Feinbäckerei Perduß ein – laut dem “Feinschmecker” eine der 500 besten Bäckereien in Deutschland. Das Geschäft wurde 1932 in Leipzig gegründet und machte sich trotz Krieg und Mangel an Zutaten schnell einen Namen. Wer damals im wahrsten Sinne des Wortes alles verloren hatte, konnte “anschreiben“ lassen und nach Möglichkeit später bezahlen. Dafür war die kleine Bäckerei im Süden von Leipzig bekannt – die Einheimischen danken es immer noch und lieben das kleine Geschäft. Tipp: Unbedingt eine handgemachte Leipziger Lerche probieren – dankt mir später.

So, fast fertig. Zwei kleine kulinarische Tipps habe ich noch – ich halte mich auch kurz. Kein Insider, dafür aber ein absolutes Muss: Das Kaffeehaus Riquet in der Leipziger Innenstadt. Die Firma Riquet handelte zur Kaiserzeit mit Kolonialware, die Unternehmensgeschichte geht bis auf das Jahr 1745 zurück. An die damals exotischen Güter angelehnt, wurde 1908 das ikonische Gebäude mit Elefantenköpfen am Eingang errichtet. Das Riquet war damals eines der modernsten und extravagantesten Neubauten in ganz Leipzig.

 

Last but not least: Das leckerste Gebäck gibt es meiner Meinung nach im

Café Mâitre auf der Karli: Nur zu, schlemmt euch durch die Auswahl an französischen Tartes Brioche und Baguette, Torten und Baiser.

Leipziger Seenplatte - Moin aus Sachsen

Scandy-Style im Osten: Man könnte fast meinen, dass Leipzig am Meer liegt, denn hier gibt es so viele Seen, kleine Buchten und geflutete Tagebaue.

 

Der wohl beliebteste See in Leipzig: der Cospudener See, auch liebevoll “Cossi” genannt. Am südlichen Stadtrand gelegen, ist der 430 Hektar große Cossi quasi die Badewanne der Leipziger. Der ehemalige Tagebau wurde noch zu DDR-Zeiten auf Bestreben von Umweltschützern gestoppt – die Flutung konnte beginnen.

Dadurch, dass der Cossi so nah am Stadtrand liegt, ist er super entspannt per Rad zu erreichen. Das lohnt sich auch, denn eine kleine Spritztour durch den Auenwald sollte man sich echt nicht entgehen lassen.
Sehen und Gesehen werden? Geht klar. Am Cossie gibt es nicht nur herrliche Häuser und Grundstücke, sondern auch eine richtige Flanier-Promenade. Abends kann man auf der Sole Mio Seeterrasse ein Aperölchen schlürfen und italienisches Flair genießen.

 

 

Etwas sportiver geht es am Markkleeberger See zu. Segeln, surfen, paddeln – was darf es sein? Zahlreiche Wassersportschulen lassen das Herz von Wasserratten höherschlagen.


Pssst: Das kleine idyllische Örtchen Markkleeberg ist auch so einen Besuch wert. Wer es nicht so mit Wasser hat, kann das Deutsche Fotomuseum besuchen oder einfach eine Runde im agra-Park drehen – mein Go-To nach der Arbeit.

 

Und das war es natürlich noch nicht. Wer es etwas naturbelassener mag und abgelegene Ufer bevorzugt, kann sein Badeglück hier versuchen:

- Kulkwitzer See

- Hainbergsee

- Steinbruch Waldbad Mark Schönstadt

- Grillensee

- Prößdorfer See 

In Vorbereitung auf Leipzig

So…meine Finger glühen, mein Kopf raucht und sicher habe ich euch nicht annähernd alles erzählt, was es in Leipzig zu erkunden gibt. Schreit eigentlich nach einem zweiten Teil, oder?

Was ich noch gar nicht erzählt habe, aber unbedingt noch loswerden muss: Leipzig ist Buch- und Modestadt. Jawohl. Die jährliche Buchmesse ist legendär und ein Fest für Augen und Köpfchen. Wer sich schon etwas literarisch auf Leipzig einstimmen möchte, dem kann ich den Roman “Zwei Handvoll Leben” sehr empfehlen. Die Autorin schrieb die Geschichte ihrer Großmutter nieder, die zwischen Chemnitz, Leipzig und Berlin spielt. Hier bekommt man ein Gespür dafür, wie bedeutend Leipzig einst für die Kunst- und Musikszene war.

 Und wieso Mode? Ich sage nur: WGT. Jedes Jahr zu Pfingsten strömen Goth-Liebhaber aus der ganzen Welt nach Leipzig. Die Stadt wird kurze Zeit zur Schwarzen Metropole. Muss man mal erlebt haben!

Also: Packt eure Koffer und besucht mich und mein Städtchen – ich meine es ernst.
Bis dahin!

Bon Voyage ihr Lieben

Eure Isabel


 

About Isabel:

Isabel Sophie Möller ist Journalistin für TV, Print und Online. Genauso ungern, wie sie sich für eine Plattform für ihren kreativen Output entscheidet, lässt sie sich auf ein Thema zum Schreiben festnageln. Mode oder Beauty? VIPs oder Royals? Bücher oder Netflix? Food oder Reisen? Man kann doch an alles sein Herz und seine Gedanken verschenken. Das macht sie auch – am liebsten in ihrer Reise-Schrägstrich-Lifestyle-Kolumne “Bon Voyage”, in der sie ihre Leser monatlich mit auf eine ihrer Entdeckungstouren nimmt. Mehr von Isabel gibt es auf ihrem Instagramaccount @the_italian_bazaar 


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