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Kunst-Träume in Paris

 

Es ist das letzte große Projekt von Verhüllungsmeister Christo. Ein Jahr nach seinem Tod wird es Realität: Der Arc de Triomphe in Paris wird zwei Wochen lang mit silberblauem Stoff ummantelt und mit roten Schnüren verschnürt. Sechzig lange Jahre haben Christo und seine Frau  Jeanne-Claude (1935-2009) dieses Projekt geplant, davon geträumt. Er selber hat bis zuletzt daran gearbeitet. Wer sich also den großen Traum des Künstlerpaares anschauen will, der sollte einen Trip nach Paris in der Zeit von 17. September - bis 3. Oktober 2021 planen. Danach verschwindet die Kunst Christos wieder, es bleiben Christos Spuren im Gedächtnis. Er selber sprach von nomadischen Projekten. Ein Trip in die Stadt lohnt immer, tolles Shopping und gutes Essen sind garantiert. Darüber hinaus gibt es grandiose Museen zu besuchen und die bleiben auch nach Christos Aktion aktuell. Hier unsere fünf Highlights.

 

Bourse de la Commerce. Pinault Collection

Ein absolutes Highlight und Muss in diesem im Herzen von Paris ein paar Gehminuten vom Louvre entfernt. Nach gerade mal drei Jahren Renovierungs- und Bauzeit eröffnet ist das Museum Bourse de la Commerce, Pinault Collection auch architektonisch ein großer Wurf. Der japanische Architekt Tadao Ando hat in das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert einen Zylinder aus Beton gepflanzt. Und so auch die Architektur aus längst vergangenen Zeiten respektiert und das Haus zugleich in die Zukunft geführt. Auf das Wesentliche reduziert und gänzlich ohne Schnörkel fügen sich seine Ergänzungen mit dem vorhandenen Bau wunderbar zusammen.

 

 

Der Milliardär Francois-Henri Pinault erweitert mit dem Haus geschickt seine eigenen Ausstellungsmöglichkeiten. In Venedig hat der Manager einer der größten europäischen Baugesellschaften gleich zwei Museen und mit diesem hier in Paris wertet er seine hochkarätige Sammlung zeitgenössischer Kunst noch einmal auf. Absolut sehenswert.

 

 

Louvre

Ein Klassiker in Sachen Kunstgeschichte, nicht nur der Mona Lisa wegen, und im Moment pandemiebedingt der Geheimtipp. Es ist super einfach einen der begehrten Slots für den Louvre zu ergattern. Ein bisschen Anstehen musste ich morgens um neun Uhr trotz allem, weil die digitalen Impfausweise (oder der Testnachweis) genauestens kontrolliert werden. Unterhalb der Glaspyramide des Architekten I.M. Pei noch mal kurz einen Blick auf diesen minimalistischen Eingang aus dem Jahr 1989 werfen und für einen der zahllosen Louvre-Flügel entscheiden.

 

 

Die meisten Besucher strömen zur Mona Lisa. Klar, auch ich habe eine kurzen Blick riskiert. Vor Säureattacken oder zuletzt einem Wurf mit einer Tasse (!) wird das berühmte Bild von Leonardo da Vinci mit Panzerglas geschützt und streng bewacht. Es gibt so viele andere Schätze in dem Kunstmuseum, das 1660 eröffnet wurde, zu entdecken. Ich habe die Abteilung mit islamischer Kunst besucht. Hier gibt es unglaubliche Keramik, die aus der Jetzt-Zeit stammen könnte, aber aus der Zeit vor Christus entstand. Auch toll, vielzitierte Klassiker der Kunstgeschichte wie das Floß der Medusa von Théodore Géricault genauer zu betrachten. Das gleiche gilt, wenn man einfach durch diese herrlichen Räume zu wandert und einfach stehen bleibt, wo einem danach ist.

 

 

Fondation Cartier

An der aktuellen Ausstellung in der 1984 eröffneten Fondation Cartier scheiden sich die Geister: Die einen finden Damien Hirst und seine aktuell gezeigten Kirschblüten-Bilder grandios, die anderen reiben sich verwundert die Augen. Dem Großmeister der Provokation, man denke an in Fomaldehyd schwimmende Haifische oder den mit Diamanten besetzten Totenschädel hat wieder einen Sturm der Kritik in der Kunstwelt entfesselt. Sechzig Wochen lang hat er über seinen Instagram Kanal geschickt die Neugier aller befeuert. Seit Anfang Juli sind dreißig der riesigen Spot-Paintings zu sehen und alle wollen sie sehen. 

Auch ich frage ich mich, warum ich hergekommen bin, denn eigentlich hat mich keine seiner letzten Ausstellungen überzeugt. Egal, so habe ich mir meine eigene Meinung gebildet und daher auch der Tipp hier: Hingehen! Denn allein das Gebäude von Jean Nouvel ist sehenswert. Zudem kann man am Kiosk im Garten hinter dem Bau wunderbar bei kleinen Snacks durchatmen und amüsiert den staunenden Blicken im Museum zugucken.

Die Cherry Blossoms sind noch bis zum 3. Januar 2022 zu sehen.

 

 

Palais de Tokyo

 

Für Fans zeitgenössischer Kunst ist das Palais de Tokyo ein absolutes Muss. In dem neoklassizistischen Gebäude wird immer Spannendes und sehr Aktuelles gezeigt. Anlässlich der Weltausstellung in Paris 1937 einen Steinwurf vom Eiffelturm auf der rechten Seineseite eröffnet. Die feste Kunst-Sammlung des Musée d’art moderne de la Ville de Paris (MAM) wird im Ostflügel des Gebäudes gezeigt. Im Westflügel gleicht der Museumsbesuch einem Gang durch ein Labyrinth. Zahllose Treppen, endlose kleine Räume, zahlreiche Treppen, die immer noch ein Stockwerk tiefer zu führen scheinen, und viele gerundete Wände, die Kunsthängung eigentlich erschweren.

 

 

In diesem Sommer bespielt die deutsche Performance-Künstlerin Anne Imhof den eher sperrigen Bau auf 22 000 Quadratmetern. Sie nimmt den Dialog mit anderen großen Künstler:innen wie Sigmar Polke, Joan Mitchell, Eliza Douglas oder Oscar Murillo auf. Das Museum wird durch Imhofs Interventionen zu einer einzigen immens großen Installation, die auch nicht Imhof-Fans begeistert. Anne Imhof und Natures Mortes kann man noch bis zum 24.Oktober erleben.

 

 

Musée Carnavalet 

Mitten im quirligen Marais liegt unweit des Picasso Museum ein Ort der Ruhe und eines der weniger bekannten, aber sehenswerten Museen von Paris: Das Musée Carnavalet . Es gibt immer reizvollen Wechselausstellungen wie aktuell Henri-Cartier Bresson (noch bis zum 31.Oktober).

Ansonsten dreht sich an diesem Ort alles um Stadtgeschichte von ihren Ursprüngen bis in die Jetztzeit. Hier lernt das Publikum ganz nebenbei Paris kennen und verstehen. In dem einzigen noch bestehende Stadtpalast aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sind die Räume zweier Privatvillen (16.- und 17. Jahrhundert), mittelalterliche Sammlungen, Erinnerungen an die Französische Revolution, Möbel, Skulpturen, aber auch Alltagsgegenstände und Fotografien versammelt. Bevor es wieder ins das hippste Einkaufsviertel von Paris geht, unbedingt noch im Garten einen Kaffee trinken und in unwirklicher Ruhe auftanken.

 

 

Wo Schlafen und Essen?

Großartig ist das Le Roch im 1. Arrondissement. Auch toll das Hotel Marais Hôme. Für den schnellen Lunch bieten eigentlich die Museen immer etwas an. Ich esse gerne und nur in Paris Galette und empfehle daher im Marais-Viertel Suzette oder Miam Miam. Noch ein Tipp ist die Hummer-Rolle im Homer – danach kann man das Dinner ausfallen lassen. Auch toll, das Bistro Parcelles, wo auch mal veganes auf der Karte steht.

Abends einfach nur köstlich ist das L’Avenue sehr chic und in der Nähe des Eiffelturms. Ebenfalls mit Blick auf das Wahrzeichen und dabei köstlich essen kann man auf der Dachterrasse des Musée Quai Branly im Les Ombre. Ziemlich hip und mit junger französischer Küche ist das Yard.

 

 

Wer noch mehr Lust auf Kunst hat, dem lege ich noch weitere Museums-Klassiker wie die Fondation Louis Vuitton und das Centre Pompidou ans Herz. Ach, ich glaube ich muss bald wieder nach Paris, der Kunst wegen.

 

 

 


 

Juliane Rohr ist Journalistin, lebt und arbeitet in Berlin. Kunst ist immer schon ihre große Liebe, neben ihrem Mann und den beiden Söhnen, die inzwischen im Studium sind. Mit Leidenschaft gibt sie bei uns Kunst-Tipps. Interessante Menschen in der Kunst porträtiert sie für n-tv.de. Im Blog kochen, kunst und ketchup bespricht sie monatlich Ausstellungen und noch mehr gibt es sehr regelmäßig in ihrem Instagram-Account jr.artynotes.

 

 

 


Tagged: Kunst, Reise, Paris

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